03.12.2008

Seecontainer landet im Straßengraben

Der erneute Wintereinbruch am Mittwoch Vormittag bescherte einigen Kraftfahrern

in der Rennsteigregion ein abruptes Ende Ihrer Weiterfahrt. Es gab zum Glück nur minimalen Sachschaden, aber keine Verletzen.

Am frühen Nachmittag befuhr ein Sattelzug aus der Region Flensburg die Kreisstraße von Kleintettau in Richtung Steinbach am Wald. Kurz nach dem Ortsausgang von Kleintettau geriet das Gespann auf schneeglatter Fahrbahn ins Rutschen und landete mit den rechten Rädern im Straßengraben. Aus eigener Kraft war es dem Fahrer unmöglich, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien. Das Speditionsunternehmen verständige darauf hin die Polizeiinspektion in Ludwigsstadt und diese alarmierte zunächst die Feuerwehr Tettau mit einem Rüstwagen. Es zeigte sich jedoch bald, daß die 5-to Seilwinde des Feuerwehrfahrzeuges dem Gewicht des Lastzuges nicht gewachsen war. Der Havarist war mit einem vollen 40-Fuss Seecontainer beladen und das Gesamtgewicht des Lastzuges lag bei gut 30 Tonnen. So entschied sich gegen 16:00h der Kommandant der Tettauer Feuerwehr, das Technische Hilfswerk  aus Kronach zur Unterstützung anzufordern. Nach kurzer Vorbesprechung der Lage rückte zunächst ein THW-Leiter mit dem Einsatzleitwagen nach Tettau aus, um die Lage persönlich in Augenschein zu nehmen. In der Zwischenzeit wurde in Kronach die benötigten Kraftfahrer und Helfer alarmiert und der Gerätkraftwagen (GKW) I mit Schneeketten versehen. Als der THW-Leiter per Funk „grünes Licht“ gab – die Bergung war mit THW-Mitteln möglich – rückten der Gerätekraftwagen I und ein weiterer LKW (mit Sandsäcken als Ballast beladen) nach Tettau aus. Während der Anfahrt über die B85 wurde das Wetter immer schlechter; was tagsüber in Kronach noch Regen gewesen war, war in der Rennsteigregion den ganzen Tag als Schnee gefallen und größtenteils liegengeblieben. Auf den Gehwegen und am Straßenrand lagen stellenweise über 30 cm Neuschnee- und es herrschte noch immer dichtes Schneetreiben.

Beim Eintreffen der THW-Kräfte neigte sich der Lastzug bereits gefährlich zur Seite und drohte umzustürzen. Es war also Taktik und Fingerspitzengefühl gefragt, um den Sattelzug wieder unbeschädigt auf festen Grund zu bringen. Die Heckseilwinde des Gerätkraftwagens wurde an die Abschleppvorrichtung der Zugmaschine geflanscht und die Feuerwehr sicherte mit der Winde des Rüstwagens das Heck des Sattelaufliegers. Millimeterweise kam das Fahrzeug nun wieder auf die Straße zurück. Mehrfach mussten die Windenfahrzeuge umgesetzt werden, um jeweils den optimalen Zugwinkel der Drahtseile zu gewährleisten. Nach einer guten Stunde war der Havarist aus der eisigen Umklammerung befreit und stand wieder unversehrt auf dem Asphalt.

Zur Sicherheit wurde der Sattelzug nun mit einer Abschleppstange an den allradgetriebenen GKW angehängt und bis zur B85 eskortiert. Man wollte doch auf jeden Fall verhindern, dass der für die USA bestimmte Container nochmals in einem fränkischen Straßengraben landet. 

Noch während die Bergung dieses Fahrzeuges am Laufen war, kam über die örtliche Feuerwehr die Anforderung zur Bergung zweier weiterer Fahrzeuge, die sich in der Nähe festgefahren hatten. Da diese Einsatzstelle jedoch direkt hinter der Landesgrenze zwischen Bayern und Thüringen lag, nahm der OV Kronach erst Rücksprache mit dem angrenzenden OV Saalfeld-Rudolstadt und der zuständigen Geschäftsstelle in Erfurt. Erwartungsgemäß hatten die Thüringer Kameraden jedoch nichts dagegen einzuwenden, dass die Helfer aus Kronach die liegengebliebenen Lastzüge wieder flott machten. Diese zweite Einsatzstelle lag auf ca 780 Meter über NN und auf freiem Feld, so daß dort noch mehr Schnee lag und noch stärkeres Schneetreiben herrschte, als an der ersten.

Zum Glück hatte sich dort der erste Lastzug „nur“ auf einer geraden Steigung festgefahren und der zweite war leicht ins Bankett gerutscht, so daß beide Havaristen jeweils per Abschleppstange über die Steigung gezogen werden konnten und dann Ihre Fahrt aus eigener Kraft fortsetzten.

Gegen 23:00h war der Einsatz für die THW-Kräfte beendet und der Rückweg zur Unterkunft konnte angetreten werden.

Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Tettau.

Leiter vom Dienst - Michael Blüml

Text und Bilder - Hajo Badura / Dominik Lauer 


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