20.09.2011

THW Kronach in New York

“Heros meets Heroes” oder so ähnlich könnte man den Auslandseinsatz der etwas anderen Art überschreiben

an dem kürzlich unsere Helfer Gary und Hajo Badura in New York teilnahmen.

Der Musikzug des THW Hermeskeil war vom Organisationskomitee der Steuben-Parade zur Teilnahme an der diesjährigen Parade eingeladen worden und der THW Länderverband Hessen/Rheinland-Pfalz-Saarland (LV HeRpSl) hatte interessierten THW-Helfern aus ganz Deutschland die Möglichkeit geboten, mit nach New York zu reisen. So machten sich neben etwa 60 Musikern auch rund 50 Helfer aus 25 Ortsverbänden von Hamburg bis München auf den Weg über den großen Teich.

Wer in die größte Stadt Amerikas reisen will, sollte das natürlich standesgemäß auch mit dem größten Flugzeug der Welt tun – und so gab es das erstem mal schon in Frankfurt ordentlich was zu staunen, als ein riesiger A 380 draußen am Gate auf seine rund 700 Passagiere wartete. Daneben wirkt eine B 747, der klassische Jumbo-Jet schon fast etwas zierlich. Aber im Laufe der Reise sollten die THWler noch mehr Superlativen erleben, so dass zumindest denjenigen, die zum ersten Mal in den USA waren, hier und da die Spucke weggeblieben war.

Als die Gruppe am Donnerstag gegen Mittag auf dem John F. Kennedy-Airport im Stadtteil Queens gelandet war, galt es zunächst die üblichen Einreiseformalitäten zu erledigen. In langen Schlangen anstehen, auf Zuruf an den nächsten Schalter treten und die Fragen des Emigration Officers beantworten. War der irgendwann dann überzeugt, dass man nichts übles im Schilde führte, gab es endlich den ersehnten Stempel in den Pass und mit den Worten „welcome to America“ war man dann endlich drinn – im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch für Wiederholungstäter in Sachen USA-Reisen jedes Mal ein erhebendes Gefühl.

Mit dem bereits wartenden Bus ging es dann durch das übliche Verkehrschaos von New York hinüber nach Manhattan, wo die Reiseteilnehmer ihre Hotelzimmer direkt am Broadway beziehen konnten. Die Formalitäten am Flughafen und die Busfahrt quer durch die Stadt hatten übrigens genauso lange gedauert, wie die Anfahrt von Kronach zum Frankfurter Flughafen. Für den Rest des Tages war kein Programm mehr vorgesehen und so nutzten die THW-ler den Abend, um New York auf eigene Faust ein Stück zu erkunden. Zwischen Braodway, 5th Avenue und Time Square gab es mehr zu entdecken, als man bewältigen konnte. Der Time Square war früher eine der übelsten und gefährlichsten Stellen von ganz Manhattan, doch dank der rigorosen Law & Order – Politik der letzten Jahre  und der allgegenwärtigen, starken Polizeipräsenz ist daraus jetzt ein pulsierender Treffpunkt mit trendigen Läden und Kneipen aller Art geworden, wo die New Yorker gerne den Abend verbringen.

Zum ersten Mal offiziell wurde es schließlich am Samstag Vormittag., als die Gruppe zum Bürgermeisterempfang aufbrach.  Eine Abordnung des Organisationskomitees und einer der stellvertretenden Bürgermeister von New York begrüßten bei strahlendem Sonnenschein die 25 teilnehmenden Gruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, riefen sie einzeln auf die Bühne und jede Gruppe durfte sich kurz auf deutsch und auf englisch vorstellen, erklären wer sie war und woher sie kam. Für das THW übernahmen diese Aufgabe der Vizepräsident Rainer Schwierczinski und der stv. Landesbeauftragte Ulf Langemeier.

Im Anschluss wartete schon wieder der Bus auf die Teilnehmer und im Dauerlauf ging es zur Stadtbesichtigung. Zeit ist in New York immer knapp und wer diese Stadt einmal erlebt hat, wird sofort verstehen, dass der Satz „Zeit ist Geld“ nur hier entstanden sein kann. In New York hat niemand Zeit, jeder ist stets auf dem Sprung – und selbst rote Ampeln betrachtet man nur als unverbindliche Empfehlung statt als unumstößliche Tatsache. Die allgegenwärtigen Cops nehmen es mit Gelassenheit und kümmern sich lieber um die großen Ganoven als um lebensmüde Fußgänger.

Unter der fachkundigen Leitung unserer Stadtführerin steuerte der Busfahrer gekonnt sein Gefährt durch das übliche Chaos und man  konnte allerlei interessantes und eindrucksvolles über den Big Apple, wie New York liebevoll auch genannt wird, erfahren. Über die Wall Street und Ground Zero ging es über Broadway und 5th Avenue zu allen nennenswerten Sehenswürdigkeiten; wir sahen Chinatown und SoHo, die Carnegie Hall und diverse der berühmten Wolkenkratzer, die man aus Spielfilmen kennt.

New York ist in jeder Hinsicht eine Stadt der Superlative, die man nur schwer in Worten oder Zahlen ausdrücken kann. Man muss es selbst erlebt haben, um zu begreifen, was 8,2 Mio Menschen bedeuten, die in einer Dichte von 10.356 Einwohnern je Quadratkilometer zusammenleben. Die Stadt hat 200 Museen, 150 Theater und 18.000 Kneipen und Restaurant.

Neben etwa 14.000 Taxis befördern 4.000 Stadtbusse jeden Tag etwa 1 Million Fahrgäste und in 6.000 U-Bahn-Waggons auf 27 Linien mit 476 Bahnhöfen rauschen nochmals jeden Tag 4,5 Millionen Menschen im verborgenen zu ihren Zielen. Die Zahl von etwa 200 Wolkenkratzern nimmt sich dagegen schon fast bescheiden an.

Am Samstag war dann endlich der große Tag der Parade gekommen. Nach einer sehr frühen Abfahrt vom Hotel ging es zur St. Patricks Kathedrale, wo ein gemeinsamer Gottesdienst für alle Paradeteilnehmer anstand. Der THW-Musikzug aus Hermeskeil gestaltete diesen mit mehreren Musikstücken. Da etwa 30 % der Bevölkerung im Großraum New York deutschstämmig sind bzw. deutsche Vorfahren haben, gibt es natürlich auch eine deutsche Kirchengemeinde und so war der Gottesdienst ebenfalls auf deutsch. Bei dieser Gelegenheit trafen wir auch die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, die als Vertreterin der Bundesregierung der Parade beiwohnte.

Anschliessend ging es mit dem Bus zur 64. Straße, wo sich die einzelnen Gruppen formierten und von den Organisatoren in die passende Reihenfolge dirigiert wurden. Neben zahlreichen Musikkapellen aus allen Teilen Deutschlands, mehreren Feuerwehren und Vereinen aller Richtungen, war aus Deutschland auch eine Abordnung der Bundeswehr und der Baden-württembergischen Polizei vertreten. Auf amerikanischer Seite waren mehrere Kapellen und Tanzgruppen aus diversen Teilen der USA angereist, etliche Polizeiabordnungen und natürlich war auch die New Yorker Polizei und die Feuerwehr der Stadt vertreten. Der Weg über die 5th Avenue bis hinauf zur 86. Straße war gesäumt mit tausenden von Besuchern aus aller Welt. Es waren etliche Deutsche extra zur Parade nach New York gereist, aber auch viele Deutsche die in Amerika leben, nahmen teils weite Reisen aus anderen Bundesstaaten auf sich, um die Parade anzuschauen.

Der absolute Höhepunkt der Umzuges war, als unsere Marschgruppe auf dem roten Teppich vor der Ehrentribüne stoppte und der Musikzug deutsche und die amerikanische Nationalhymne spielte, bevor es weiterging.

Zweiter Höhepunkt der Veranstaltung war dann am Nachmittag das Oktoberfest im Central Park. Mit einem riesigen Bierzelt, umsäumt von zahlreichen Ausschankstellen und Ess-Ständen versuchten die Organisatoren ein bisschen „alte Heimat“ mitten nach New York zu holen, aber die Authenzität hatte doch étwas gelitten.

So gab es zwar Bier von diversen, namhaften Brauereien – neben Paulaner und Spaten hatten die Besucher auch die Wahl zwischen Kölsch, Jever und weiteren Bieren sowie Frankenwein und Underberg. Allerdings gab es das Bier nicht wie gewohnt direkt zu kaufen, sondern man musste erst an einer speziellen Kasse ein oder mehrere „Beer-Tickets“ erwerben und dabei natürlich jedes Mal den Ausweis vorzeigen, denn die amerikanischen Gesetze verbieten rigoros den Verkauf von Alkohol an Personen unter 21 Jahren.. Auch für das Oktoberfest gibt es da keine Ausnahme. Hatte man endlich eines der begehrten Tickets erstanden, konnte man das an einer Theke seiner Wahl dann gegen den kühlen Gerstensaft eintauschen.

Daß die Maßkrüge zwar echt aussahen, sich beim näheren Hinsehen aber als Plastikgefäße entpuppten, war noch das geringe Übel. Die angebotenen „Bratwurst-Sandwiches“ hätten dagegen sicher auf dem echten Oktoberfest eine Massenschlägerei ausgelöst, denn das Sauerkraut gleich mit in die Semmel zu bekommen ist nun nicht unbedingt jedermanns  Geschmack.

Der Central Park ist die grüne Lunge der Stadt, die das Chaos erträglich erscheinen lässt. Eine Fläche von 340 Hektar Wald- und Wiesenlandschaft, also gut 1,5 mal so groß wie das Fürstentum Monaco,  mitten in der Betonwüste gibt den New Yorkern die Entspannung die sie brauchen. Ohne Central Park würde die Stadt wohl irgendwann explodieren.  Der Central Park ist auch Heimat von tausenden grauer Eichhörnchen, die jegliche Scheu vor den Menschen verloren haben und sich fast schon streicheln lassen.

Neben den vielen Superlativen der Stadt, die niemals schläft, war aber sicher das Verhalten der einheimischen Bevölkerung für die Reiseteilnehmer sehr beeindruckend. Egal wo und bei welcher Gelegenheit, wurden die THW-Helfer freudig begrüßt und aufgenommen, sobald der Gegenüber bemerkte, dass man aus Deutschland kam. Egal ob es die kleine Flagge auf dem Ärmel war oder es sich im Gespräch ergab – sobald das Gespräch auf Deutschland kam, kannte die Begeisterung der Amerikaner keine Grenzen mehr.

Oft wurden auch unsere Helfer gefragt, ob sie Firefighter – also Feuerwehrmänner wären oder was denn die Buchstaben T H W bedeuten würden. Hierzu muss man wissen, dass in den USA Feuerwehrmänner  als Helden angesehen und entsprechend verehrt werden. Diese haben in der amerikanischen Gesellschaft eine Stellung, die man mit nichts in Deutschland vergleichen kann. Dies war schon früher  so, hat sich aber nach dem Anschlag vom 11. September 2001, bei dem 343 New Yorker Firefighter ihr Leben verloren, noch extrem verstärkt.

Da es in den USA keine dem THW vergleichbare Organisation gibt, waren hier jeweils immer etwas ausgiebigere Erklärungen von Nöten und wenn die Fragenden dann erfuhren, dass das THW oft ausrückt, um Feuerwehren zu unterstützen, waren sie meist völlig aus dem Häuschen. Wer dazu da ist, die Helden der Nation zu unterstützen, muss ja wohl selbst ein Superheld sein, so war die Meinung vieler Passanten.

Um in einer Stadt wie New York, wo nichts normale Dimensionen hat, auf Dauer Recht & Ordnung aufrecht zu erhalten, bedarf es aber wirklich wahrer Helden. So sorgen 11.200 Feuerwehrleute in 221 Wachen und mit 430 Fahrzeugen dafür, dass „nichts anbrennt“ und eine Armada rund  38.000 Polizeibeamten machen New York zu einer der sichersten Großstädte der Welt. Ihrer allgegenwärtigen Präsenz ist es auch zu verdanken, dass im Jahre 2009 „nur“ rund 400 Morde passiert sind – eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zu früheren Jahren, wo diese Zahl stets bei weit über 2.000 lag.

Abschluss der THW-Reise war dann am Sonntag eine Schiffsrundfahrt rings um Manhattan herum. In der Nähe von Ground Zero bestiegen die Helfer ein Ausflugsschiff der Circle Line und nahmen zunächst Kurs zum Fotoshooting auf die Freiheitsstatue und in Richtung Ellis Island. Auf dieser Insel im Hudson-River befand sich bis 1954 die zentrale Anlaufstelle für alle Migranten, die in die USA einwandern wollten. 12 Millionen Menschen aus aller Welt, die an Bord der berüchtigten Auswanderer-Schiffe ankamen, setzten dort erstmals einen Fuß auf amerikanischen Boden und so mancher, der abgewiesen wurde, soll sich dort an Ort und Stelle das Leben genommen haben.

Die Fahrt ging dann um die Südspitze Manhattans herum in die East River, einem Meeresarm, der die Stadtteile Brooklyn und Queens von Manhattan trennt, in Richtung Norden mit atemberaubendem Blick auf die Skyline und die berühmten Brücken, die die Stadtteile über den East River hinweg verbinden. Durch den Harlem River, welcher Manhattan von der Bronx abgrenzt, ging es in den legendären Hudson und auch an der Stelle vorbei, wo unlängst ein Pilot seinen Jet notgelandet hat und zurück an den Ausgangspunkt.

Bis zum Abflug am Montag blieb nun noch etwas freie Zeit, die der eine oder andere zum shoppen oder für weitere Besichtigungstouren nutzte. Etwas geschafft, aber mit vielen neuen Eindrücken und bleibenden Erinnerungen versehen traten die Teilnehmer schließlich die Heimreise an und so mancher wird schon auf das Jahr 2015 warten, wo eine Neuauflage dieser Reise, dann nach New Orleans – zum 10. Jahrestag des Hurrikan Katrina geplant ist.

Bericht - Hajo Badura


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